27. Februar 2019

Lösung:

Die Pkw-Sach­be­zugs­be­wer­tung ist im Punkt 4 der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung gere­gelt. Die Über­schrift des Punk­tes 4 lau­tet: Pri­vat­nut­zung des arbeit­ge­ber­ei­ge­nen Kraft­fahr­zeu­ges

Damit stellt die Über­schrift klar, dass nur die Pri­vat­nut­zung von ARBEIT­GE­BER­EI­GE­NEN Fahr­zeu­gen (dh Fahr­zeu­ge, die im wirt­schaft­li­chen Eigen­tum des Dienst­ge­ber ste­hen) nach den Regeln des Punk­tes 4 der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung zu bewer­ten ist.

Zu den arbeit­ge­ber­ei­ge­nen Fahr­zeu­gen zäh­len im Regel­fall lang­fris­tig geleas­te und die vom Dienst­ge­ber gekauf­ten Fahr­zeu­ge.

Nicht zu den arbeit­ge­ber­ei­ge­nen Fahr­zeu­gen zäh­len die ‒ wie im vor­lie­gen­den Fall ‒ kurz­fris­tig ange­mie­te­ten Fahr­zeu­ge.

Fra­ge: Wie errech­net sich der monat­li­che Sach­be­zugs­wert bei kurz­fris­tig vom Dienst­ge­ber ange­mie­te­ten Fahr­zeu­gen, die der Dienst­neh­mer auch pri­vat nut­zen darf?

Geld­wer­te Vor­tei­le, deren Bewer­tung nicht in der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung gere­gelt ist, sind gemäß § 15 EStG mit den um übli­che Preis­nach­läs­se ver­min­der­ten übli­chen End­prei­sen des Abga­be­or­tes anzu­set­zen.

Lösung für den Nor­mal­fall ange­mie­te­ter Fahr­zeu­ge:

Bei kurz­fris­tig vom Unter­neh­men ange­mie­te­ten Fahr­zeu­gen (zB um die Lie­fer­zeit zu über­brü­cken), die vom Dienst­neh­mer auch pri­vat genutzt wer­den, ist bei der Monats­sach­be­zugs­be­wer­tung vom Miet­preis ohne Fir­men-Son­der­kon­di­tio­nen aus­zu­ge­hen. In unse­rem Fall ist dies der Monats­miet­preis in Höhe von
EUR 1.599,00.

  • Ange­nom­men, der neue Ver­kaufs­lei­ter Fried­rich Klin­ke hät­te den Dienst­ver­trag Mit­te Juni unter­schrie­ben und der Dienst­be­ginn wäre am 1. Juli, dann gilt die­se Lösung für den Nor­mal­fall ange­mie­te­ter Fahr­zeu­ge => Sach­be­zug pro Monat:
    EUR 1.599,00. 
  • Unser Sach­ver­halt weist jedoch eine Beson­der­heit auf: Hät­te die Metall­wa­ren GmbH den Audi A 6 recht­zei­tig noch im Febru­ar ‒ nach­dem der Dienst­ver­trag unter­schrie­ben wur­de ‒ bestellt, dann wäre er recht­zei­tig zum Dienst­be­ginn gelie­fert wor­den.

    Ab Juli 2019 wäre dann ein Sach­be­zug in Höhe von EUR 960,00 (= 2% von
    EUR 48.000,00 [„Kauf­preis­ober­gren­ze“]) in der Lohn­ver­rech­nung anzu­set­zen.

    ABER: Der Per­so­nal­lei­ter Franz Hudri­wu ver­gisst die Bestel­lung zu ver­an­las­sen. Dass der neue Ver­kaufs­lei­ter Fried­rich Klin­ke in den Mona­ten Juli bis Sep­tem­ber einen Miet­wa­gen und noch nicht „sei­nen“ Audi A6 pri­vat nutzt, ist allei­ni­ges „Ver­schul­den“ des Dienst­ge­bers.

    Folg­lich sind die dar­aus resul­tie­ren­den monat­li­chen Mehr­kos­ten (= Dif­fe­renz aus Monats­sach­be­zug des Miet­wa­gens in Höhe von EUR 1.599,00 und Monats­sach­be­zug des vor­ge­se­he­nen Audi A6 Fir­men-Pkws in Höhe von
    EUR 960,00) aus der Sicht des Dienst­neh­mers aus­schließ­lich dienst­ge­ber­ver­an­lasst. Daher sind die Mehr­kos­ten unse­rer Ansicht nach dem Dienst­neh­mer nicht als zusätz­li­cher lohn­wer­ter Vor­teil zuzu­rech­nen.

Lösung für unse­ren Sach­ver­halt
(Leih­wa­gen­nut­zung auf­grund Dienst­ge­ber-Ver­schul­dens):

Der Monats­sach­be­zug für die Mona­te Juli bis Sep­tem­ber ist unse­rer Ansicht nach so zu berech­nen, als wäre der Audi A6 unmit­tel­bar nach Ver­trags­un­ter­zeich­nung bestellt wor­den. Der Sach­be­zug beträgt EUR 960,00 pro Monat.

Ken­nen Sie schon unse­re ande­ren Mitt­wochs­fäl­le?

2comments
Mathias Denifl - 14. März 2019

Hal­lo s.g. Herr Pat­ka!

Wie sehen Sie die Sach­la­ge, wenn es sich um lang­fris­tig gemie­te­te Fahr­zeu­ge han­delt?

Sind die dann eben­falls von der Sach­be­zugs­ver­ord­nung aus­ge­nom­men?

Weil grund­sätz­lich sind ja auch geleas­te Fahr­zeu­ge — die ja in die Sach­be­zugs­ver­ord­nun­gen rein­fal­len — auch nicht im DG-Eigen­tum.

Vie­len Dank + freund­li­che Grü­ße vom Boden­see

Mathi­as Denifl

Antworten
    Ernst Patka - 15. März 2019

    Hal­lo, Herr Denifl,

    es geht bei der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung und dem Begriff “Dienst­ge­ber­ei­ge­nes” Fahr­zeug nicht um die zivil­recht­li­che Beur­tei­lung, son­dern um die w i r t s c h a f t l i c h e Beur­tei­lung.

    Daher sind geleas­te Pkw übli­cher­wei­se wirt­schaft­lich dem Dienst­ge­ber zuzu­rech­nen, da er im Regel­fall zB auch das Scha­dens­ri­si­ko trägt und mit der Lea­sing­ra­te und dem Rest­wert prak­tisch die Pkw-Gesamt­kos­ten trägt.

    Hin­wei­se dazu fin­den sich auch in dem Ein­kom­men­steu­er­richt­li­ni­en.

    Mit herz­li­chen Grü­ßen
    Ernst PAT­KA

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