März 27, 2018

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War­um vie­le Ver­tre­ter künf­tig mehr Steu­er zah­len werden

Was ist passiert?

Ein Ver­tre­ter, der alle Auf­wen­dun­gen auf­grund sei­ner Ver­kaufs­tä­tig­keit (ua Rei­se­auf­wen­dun­gen etc) sei­nem Dienst­ge­ber ver­rech­ne­te, bean­trag­te in sei­ner Arbeit­neh­mer­ver­an­la­gung, dass das Ver­tre­ter­pau­scha­le berück­sich­tigt wer­den soll.

Nix da, sag­te sein Wohn­sitz­fi­nanz­amt: Kei­ne Spe­sen selbst getra­gen ⇒ kein Vertreterpauschale.

Der Ver­tre­ter gab nicht klein bei. Er argu­men­tier­te, dass er sehr wohl Kos­ten trug, da

  1. der Dienst­ge­ber nur Km-Gel­der in Höhe von € 0,38 (2012) und € 0,40 (2013,2014) zahl­te und
  2. er auf­grund sei­ner Ver­tre­ter­tä­tig­keit außer­dem die Kos­ten für Kalen­der­blät­ter, Strom und Inter­net trug.

Kei­ne Chan­ce beim Finanz­amt ⇒ Daher wen­det sich der Ver­tre­ter an das Bundes­fi­nanz­ge­richt.

Sieg für den Ver­tre­ter? – NEIN!

Das Bun­des­fi­nanz­ge­richt fin­det es höchst unge­recht, dass die Ver­tre­ter die ein­zi­ge Berufs­grup­pe sind, die das Ver­tre­ter­pau­scha­le bei der Arbeit­neh­mer­ver­an­la­gung bean­tra­gen kön­nen und die­ses NICHT durch die vom Dienst­ge­ber bezahl­ten Rei­se­auf­wen­dun­gen gekürzt wird.

Der Ver­ord­nungs­text lau­tet (Her­vor­ge­ho­ben durch den Autor):Kos­ten­er­sät­ze gemäß § 24 EStG 1988 kür­zen die jewei­li­gen Pau­schal­be­trä­ge, aus­ge­nom­men jene nach § 1 Z 9 (Ver­tre­ter)“

Das Bun­des­fi­nanz­ge­richt stellt daher beim Ver­fas­sungs­ge­richts­hof den Antrag, die Wort­fol­ge „aus­ge­nom­men jene nach § 1 Z 9 (Ver­tre­ter)“ wegen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit (Ver­tre­ter wer­den bevor­zugt) aufzuheben

Wie hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof entschieden?

Her­vor­he­bun­gen im Erkennt­nis V 45/2017–6 vom 26.2. 2018 hat der Autor vorgenommen.

IM NAMEN DER REPUBLIK

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat unter dem Vor­sitz der Prä­si­den­tin Dr.
Bri­git­te BIER­LEIN, in Anwe­sen­heit des Vize­prä­si­den­ten DDr. Chris­toph GRA­BEN­WAR­TER und der Mit­glie­der Dr. Mar­kus ACHATZ, Dr. Sieg­lin­de GAHLEIT­NER, Dr. Chris­toph HERBST und Dr. Micha­el HOLOU­BEK als Stimm­füh­rer, im Bei­sein der ver­fas­sungs­recht­li­chen Mit­ar­bei­te­rin Mag. Manue­la NEME­TH als Schrift­füh­re­rin, über den Antrag des BUN­DES­FI­NANZ­GE­RICH­TES,
„der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof möge die Wort­fol­ge ‚, aus­ge­nom­men jene nach § 1 Z 9 (Ver­tre­ter)‘ in § 4 der Ver­ord­nung des Bun­des­mi­nis­ters für Finan­zen über die Auf­stel­lung von Durch­schnitts­sät­zen für Wer­bungs­kos­ten von Ange­hö­ri­gen bestimm­ter Berufs­grup­pen, in der Stamm­fas­sung BGBl. II 382/2001, als gesetz- bzw. ver­fas­sungs­wid­rig auf­he­ben„, in sei­ner heu­ti­gen nicht­öf­fent­li­chen Sit­zung gemäß Art. 139 B‑VG zu Recht erkannt:

I. Die Wort­fol­ge „, ausge­nom­men jene nach § 1 Z 9 (Ver­tre­ter)“ in § 4 der Ver­ord­nung des Bun­des­mi­nis­ters für Finan­zen über die Auf­stel­lung von Durch­schnitts­sät­zen für Wer­bungs­kos­ten von Ange­hö­ri­gen bestimm­ter  Berufs­grup­pen, BGBl. II Nr. 382/2001, wird als gesetz­wid­rig auf­ge­ho­ben.

II. Der Bun­des­mi­nis­ter für Finan­zen ist zur unver­züg­li­chen Kund­ma­chung die­ses Aus­spru­ches im Bun­des­ge­setz­blatt II verpflichtet.

Was bedeu­tet nun die­ses Ver­fas­sungs­ge­richts­hof-Erkennt­nis kon­kret für den Vertreter?

  • Das Ver­tre­ter­pau­scha­le beträgt – unver­än­dert wie bis­her ‒ 5% der
    Bemes­sungs­grund­la­ge, höchs­tens € 2.190,00 jährlich.
  • Die Bemes­sungs­grund­la­ge errech­net sich wie folgt:

Brut­to­be­zü­ge

  • abzüg­lich der steu­er­frei­en Bezü­ge und
  • abzüg­lich der sons­ti­gen Bezü­ge (= Urlaubs­zu­schuss, Weih­nachts­re­mu­ne­ra­ti­on, Ziel­er­rei­chungs­prä­mi­en, Bilanz­prä­mie etc), soweit die­se begüns­tigt besteu­ert werden.
  • Auf­grund des Ver­fas­sungs­ge­richts­hof-Erkennt­nis­ses muss nun – anders wie bis­her – von dem Betrag (max 2.190,00) auch die vom Dienst­ge­ber erhal­te­nen, abga­ben­frei­en Rei­se­kos­ten­er­sät­ze abge­zo­gen werden
  • Nun liegt es am ange­stell­ten Ver­tre­ter zu prü­fen, was für ihn
    steu­er­lich inter­es­san­ter ist: Das ‒ um die abga­ben­frei­en Rei­se­kos­ten­er­sät­ze ver­min­der­te – Ver­tre­ter­pau­scha­le oder die Samm­lung von Bele­gen über selbst­ge­tra­ge­ne Kosten?

Schluss­fol­ge­rung

  • Für nicht weni­ge Ver­tre­ter wird sich der Betrag, den er als Wer­bungs­kos­ten für die Ver­tre­ter­tä­tig­keit bei sei­ner Arbeit­neh­mer­ver­an­la­gung gel­tend machen kann, deut­lich redu­zie­ren.
  • Wie sag­te schon der Kar­di­nal Schön­born in der Pres­se­stun­de: Jeder muss zum Staats­schul­den­ab­bau und zum Null­de­fi­zit bei­tra­gen – auch ange­stell­te Vertreter ;-))
  • Ergän­zung: 
    In Reak­ti­on auf das Erkennt­nis des Ver­fas­sungs­ge­richts­ho­fes hat das BM für Finan­zen die Ver­ord­nung für die über die Durch­schnitts­sät­ze für Wer­bungs­kos­ten so abge­än­dert, dass die­se nun wie­der  ver­fas­sungs­kon­form ist: Die Aus­nah­me für Ver­tre­ter von der Kür­zung der Pau­scha­le um Kos­ten­er­sät­ze des Arbeit­ge­bers gem. § 26 EStG wur­de gestri­chen. Die Ände­run­gen gel­ten erst­mals für die Ver­an­la­gung 2018.
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