Mai 30, 2018

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… die vol­len Pkw-Kos­ten sind nicht lohnnebenkostenpflichtig!

Hin­sicht­lich der Ant­wort auf die Fra­ge, wel­che Pkw-Kos­ten in die Lohn­ne­ben­kos­ten­be­mes­sungs­grund­la­ge ein­zu­be­zie­hen sind, gewinnt man den Ein­druck, der Lohn­steu­er­fach­be­reich und die Juris­ten im BMF gefie­len sich in der Rol­le des Don Qui­chot­te (= der Kämp­fer gegen Wind­müh­len, im Kon­kre­ten: Kämp­fer gegen den juris­ti­schen Hausverstand).

Die von der Finanz ver­tre­te­ne Recht­an­sicht teil­ten weder Prak­ti­ker (sie­he die zahl­rei­che Fach­ar­ti­kel wie bspw Dr. Ste­fan Stei­ger in Tax­lex 2015, 198), noch die Gerich­te (LVwG Tirol vom 21.6. 2016, LVwG– 2015/12/2927–5, LVwG 9. 11. 2017, LVwG-450256/6/HW/­MA) noch die Mehr­heit der GPLA-Prü­fer, mit denen ich zu tun habe, die aller­dings auf­grund von Wei­sun­gen den „Schmarrn“ (O‑Ton eines Prü­fers) voll­zie­hen mussten.

Doch solan­ge der VwGH nicht ent­schie­den hat, ritt Don Qui­chot­te wei­ter auf sei­ner Rosi­nan­te um Sil­ber­lin­ge ein­zu­trei­ben für den Staat und vor­al­lem für die Gemeinden.

Doch nun ist es soweit, der VwGH hat in sei­nem Erkennt­nis vom 19. 4. 2018, 2018/15/0003 ent­schie­den: Die von der Finanz ver­tre­te­ne Rechts­an­sicht ist recht­lich unrich­tig.

Die – unzu­tref­fen­den ‒ Argu­men­te des BMF

Wenn die GmbH dem wesent­lich betei­lig­ten Gesellschafter-Geschäftsführer

  1. statt ihm Kilo­me­ter­gel­der für dienst­li­che Fahr­ten mit einem eige­nen Kfz zu zah­len (das Km-Geld deckt alle Kfz-Kos­ten ab und ist zur Gän­ze lohnnebenkostenpflichtig)
  2. ein Fir­men­kraft­fahr­zeug zur Ver­fü­gung stellt,

dann ist – so die Ansicht des BMFdie­se Sach­zu­wen­dung der Gewäh­rung von Kilo­me­ter­gel­dern gleich­zu­set­zen ⇒ die vol­len Kfz-Kos­ten sind daher als sons­ti­ge Ver­gü­tung jeder Art im Sin­ne des § 22 Z 2 EStG 1988 eben­falls in die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Erhe­bung der Kom­mu­nal­steu­er einzubeziehen.

Anmer­kung: Wie wenig rechts­lo­gisch die BMF-Begrün­dun­gen oft sind und war­um der Prak­ti­ker immer häu­fi­ger den Ein­druck gewinnt, dass jene Aus­le­gung im Vor­der­grund steht, bei der das Abga­ben­vo­lu­men erhöht wird, zeigt fol­gen­des Bei­spiel:

Im Novem­ber 2017 zahlt der Dienst­ge­ber irr­tüm­lich zuviel Pro­vi­sio­nen aus. Für die­se Pro­vi­sio­nen (inkl dem zuviel bezahl­ten Teil) wer­den Lohn­ne­ben­kos­ten abgeführt.

Im März 2018 erkennt er den Irr­tum, der Dienst­neh­mer zahlt den zuviel erhal­te­nen Betrag zurück.  Nach der zuvor argu­men­tier­ten Finanz­lo­gik (Km-Geld­be­zug und Pkw-Zuwen­dung sind gleich­zu­set­zen), müss­te hin­sicht­lich der Lohn­ne­ben­kos­ten in die­sem Fall auch gleich­zu­setz­ten sein, ob

  1. von vorn­her­ein die Pro­vi­sio­nen in kor­rek­ter Höhe aus­be­zahlt wur­den, oder
  2. nach­träg­lich das Zuviel­be­zahl­te rück­über­wie­sen wird.

Ist es aber nicht, weil die Rück­zah­lung – man klebt am Wort­laut des Geset­zes – Wer­bungs­kos­ten sind ⇒ kei­ne Korrektur der zuviel­be­zahl­ten Lohnnebenkosten.

Die Rechts­an­sicht des VwGH

Mit den obi­gen Argu­men­ten ist das BMF nicht im Recht.

Das dem Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer über­las­se­ne Kfz befin­det sich im Betriebs­ver­mö­gen der GmbH. Die mit dem Kfz zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen sind Betriebs­aus­ga­ben der GmbH, die bei deren Gewinn­ermitt­lung zu berück­sich­ti­gen sind.

Der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt (Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer erhält ein Fir­men-Kfz, das er auch pri­vat nut­zen kann) ist daher nicht mit der Bezah­lung von Kilo­me­ter­gel­dern ver­gleich­bar, mit denen dem Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer Auf­wen­dun­gen für dienst­li­che Fahr­ten mit sei­nem eige­nen Kfz ersetzt werden.

Die 7 Abrech­nungs­grund­sät­ze rund um den vom Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer pri­vat genutz­ten Firmen-Pkw

Auf­grund

  • einer­seits der Verod­nung (BGBl II 2018/70, aus­ge­ge­ben am 19. 4. 2018) und 
  • ande­rer­seits auf­grund des oa VwGH Erkennt­nis­ses

erge­ben sich mE die fol­gen­den 7 Abrech­nungs­grund­sät­ze rund um den ‒ vom wesent­lich betei­lig­ten Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer auch pri­vat genutz­ten ‒ Firmen-Pkw:

Wel­cher Wert ist (a) als Bemes­sungs­grund­la­ge für die Lohn­ne­ben­kos­ten bzw (b) in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung als geld­wer­ter Vor­teil aus der pri­va­ten Nut­zung des Fir­men-Kfz anzusetzen?

  1. Sach­be­zugs­wert = Lohn­ne­ben­kos­ten­be­mes­sungs­grund­la­ge bzw geld­wer­ter Vor­teil aus der pri­va­ten Nut­zung des Fir­men-Kfz:


    Hin­sicht­lich der pri­va­ten Ver­wen­dung eines Fir­men­fahr­zeu­ges bestehen kei­ne Beden­ken, wenn die­ser Vor­teil ent­we­der durch Ansatz eines Sach­be­zu­ges in Anleh­nung an § 4 der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung II Nr. 416/2001 in der jeweils gel­ten­den Fas­sung (gilt auch für Elek­tro­fahr­zeu­ge)“ [Rand­zahl 79 der Kom­mu­nal­steu­er­richt­li­ni­en bzw § 1 Z 1 der Ver­ord­nung] oder
  2. auf Pri­vat­nut­zung ent­fal­len­der Anteil der Kfz-Kosten


    (gemäß der obi­gen, aktu­el­len VwGH-Recht­spre­chung bzw § 1 Z 2 der Ver­ord­nung); Die­ser Pri­vat­nut­zungs­an­teil ist bei­spiels­wei­se durch Vor­la­ge eines Fahr­ten­bu­ches oder in sons­ti­ger plau­si­bler Form nach­wei­sen, oder allen­falls sach­ge­recht zu schätzen.
  3. Der Ansatz eines Sach­be­zu­ges in Anleh­nung an die Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung heißt mE, dass die fol­gen­den Rege­lun­gen der Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nung auch bei von Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rern pri­vat­ge­nutz­ten Fir­men-Kfz anzu­wen­den sind:

    • Unter­schied­li­che Sach­be­zugs­wer­te, abhän­gig vom CO2-Emis­si­ons­wert
    • Sach­be­zug: € 0,00 für schad­stoff­freie Pkw (zB Elektrofahrzeuge)
    • Mini-Sach­be­zug (exak­tes Fahr­ten­buch erforderlich)
    • Hal­ber Sach­be­zug (max 6.000 Pri­vat­ki­lo­me­ter pro Jahr)
    • Berech­nung der Sach­be­zugs­be­mes­sungs­grund­la­ge (zB inkl Umsatz­steu­er, inkl Son­der­aus­stat­tun­gen etc) hin­sicht­lich Neu‑, Gebraucht‑, Lea­sing und Vorführfahrzeuge
    • Sach­be­zugs­be­wer­tungs­re­geln für Pool­fahr­zeu­ge (Pool­fahr­zeu­ge sind bei Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer eher kaum praxisrealistisch)
    • Kos­ten­er­sät­ze, die der Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer an die GmbH hin­sicht­lich sei­ner Pri­vat­fahr­ten leis­tet, ver­rin­gern den Sach­be­zugs­wert (dies gilt laut obi­gen VwGH-Urteil auch dann, wenn als Wert der auf Pri­vat­nut­zung ent­fal­len­de Anteil der Kfz-Kos­ten [sie­he Punkt (2)] ange­setzt wird.
  4. Stre­cke Woh­nung ⇒ Büro ⇒ Woh­nung = Pri­va­te Strecke?

    • Ja, wenn die (sinn­ge­mäß anzu­wen­den­de) Sach­be­zugs­wer­te­ver­ord­nungs-Vari­an­te [Punkt (1)] gewählt wird
    • Nein, wenn als Wert der auf Pri­vat­nut­zung ent­fal­len­de Anteil der Kfz-Kos­ten ange­setzt wird (sie­he Rz 1528 der Ein­kom­men­steu­er­richt­li­ni­en: Fahrt­kos­ten: Wohn­sitz ⇒ Betrieb: „Die Auf­wen­dun­gen sind Betriebs­aus­ga­ben, sofern der Betriebs­in­ha­ber nicht aus per­sön­li­chen Grün­den sei­nen Wohn­sitz außer­halb der übli­chen Ent­fer­nung vom Betriebs­ort (bis 120 km = Ein­zugs­be­reich) gewählt hat (vgl. VwGH 21.12.1989, 86/14/0118; VwGH 22.2.2000, 96/14/0018).“
  5. Wirk­sam­keit der obi­gen Rege­lun­gen betreffend …

    • Lohn­ne­ben­kos­ten: Die obi­gen Grund­sät­ze (ins­be­son­de­re Punkt (2) sind auf­grund des VwGH-Erkennt­nis­ses auf alle, noch nicht rechts­kräf­ti­gen (GPLA) Fäl­le anzuwenden.
    • Geld­wer­ter Vor­teil, der in der Steu­er­erklä­rung anzu­set­zen ist: Die Ver­ord­nung ist erst­ma­lig bei der Ver­an­la­gung für das Kalen­der­jahr 2018 anzu­wen­den.
  6. Rei­se­kos­ten des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers: Einkommensteuer

    • Von der Gesell­schaft aus­be­zahl­te Rei­se­auf­wands­ver­gü­tun­gen sind Betriebs­ein­nah­men.
    • Auf­wen­dun­gen iZm beruf­lich ver­an­lass­ten Rei­sen sind für den Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer Betriebs­aus­ga­ben.
  7. Rei­se­kos­ten des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers: DB, DZ und Kom­mu­nal­steu­er:

    • Pau­scha­le Kos­te­nersätze (wie ins­be­son­de­re Tag­geld, Näch­ti­gungs­geld und Kilo­me­ter­geld) sind lohn­ne­ben­kos­ten­pflich­tig.
    • Tatsäch­lich (beleg­mä­ßi­ge) nach­ge­wie­se­ne Auf­wen­dun­gen für Fahrt­kos­ten (zB Bahn­ti­cket, Flug­ti­cket) oder für Näch­ti­gun­gen (zB Hotel­rech­nung) auf­grund einer beruf­li­chen Rei­se (unab­hän­gig davon, ob die­se von der Gesell­schaft oder dem Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer bezahlt wer­den), erhö­hen hin­ge­gen nicht die jewei­li­ge Lohn­ne­ben­kos­ten-Bemes­sungs­grund­la­ge ⇒ Es sind kei­ne Lohn­ne­ben­kos­ten zu entrichten.
    • Beach­ten Sie bit­te: Beleg­mä­ßig nach­ge­wie­sen Ver­pfle­gungs­kos­ten sind immer lohn­ne­ben­kos­ten­pflich­tig.
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