24. August 2018

Lösung Mitt­wochs-Fall: Kann Kurt Nör­gel die Kün­di­gung wegen Sozi­al­wid­rig­keit anfech­ten?

Die Lösung

Ja, Kurt Nör­gel kann die Kün­di­gung wegen Sozi­al­wid­rig­keit anfech­ten, trotz­dem nur 2 Tage zwi­schen Info an Betriebs­rat hin­sicht­lich kon­kre­ten Kün­di­gungs­ter­min und Stel­lung­nah­me des Betriebs­ra­tes liegt.

Begrün­dung

(sie­he hier­zu: OGH 28. 6. 2018, 9 ObA 30/18d):

  • 1
    Der Betriebs­in­ha­ber hat nach dem Arbeits­ver­fas­sungs­ge­setz vor jeder Kün­di­gung den Betriebs­rat zu ver­stän­di­gen, der inner­halb einer Woche dazu Stel­lung neh­men kann..
  • 2
    Stimmt der Betriebs­rat der Kün­di­gung aus­drück­lich zu, kann der Dienst­neh­mer die Kün­di­gung nicht mehr wegen Sozi­al­wid­rig­keit anfech­ten.
  • 3
    Der Obers­te Gerichts­hof hielt fest, dass die Ver­stän­di­gung des Betriebs­rats nur eine Absichts­er­klä­rung des Dienst­ge­bers ist und zwar über eine kon­kret beab­sich­tig­te Kün­di­gung. Ein bestimm­ter Kün­di­gungs­ter­min muss dar­in aber noch nicht genannt sein.
  • 4
    Daher wur­de der Betriebs­rat kor­rekt und rechts­gül­tig am Mon­tag, den 10. Sep­tem­ber 2018 ver­stän­digt.
  • 5
    List Die dadurch aus­ge­lös­te ein­wö­chi­ge Frist für die Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats ist eine nicht ver­län­ger­ba­re Höchst­frist.Ele­ment
  • 6
    Bei ein- und dem­sel­ben Kün­di­gungs­fall wird durch eine wei­te­re Ver­stän­di­gung des Betriebs­ra­tes (zB über den kon­kre­ten Kün­di­gungs­ter­min) kei­ne wei­te­re Frist aus­ge­löst, weil sonst selbst eine kom­mu­ni­zier­te Stel­lung­nah­me des Betriebs­ra­tes nach­träg­lich revi­diert wer­den könn­te.
  • 7
    Das bedeu­tet, dass die Bekannt­ga­be des kon­kre­ten Kün­di­gungs­ter­mi­nes an den Betriebs­rat am Diens­tag, den 18. Sep­tem­ber 2018 kei­ne neue ein­wö­chi­ge Stel­lung­nah­me­frist aus­löst.
  • 8
    Da daher die Wochen­frist bereits mit der ers­ten Ver­stän­di­gung am 10. Sep­tem­ber 2018 aus­ge­löst wur­de, inner­halb die­ser Frist aber kei­ne Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats an den Betriebs­in­ha­ber erfolgt war, kann Kurt Nör­gel die Kün­di­gung wegen Sozi­al­wid­rig­keit anfech­ten.

Der Fall in einem Satz:

Eine Kün­di­gung  es gibt nur eine Wochen­frist

Ergän­zung (= Sehr gute Emp­feh­lung des Herrn Chris­toph Mandl [RB Inter­na­tio­nal]) in sei­nem Kom­men­tar zum MWF: „Um die Sache zu „sanie­ren“ wür­de ich Hrn. Nörg­ler noch­mals kün­di­gen und der Betriebs­rat kann die­ser erneu­ten Kün­di­gung aus­drück­lich und schrift­lich recht­zei­tig zustim­men und der Per­so­nal­lei­tung mit­tei­len. Dadurch ver­liert die Fir­ma maxi­mal die Zeit bis zum nächst­mög­li­chen Kün­di­gungs­ter­min, egal wie das ers­te Kün­di­gungs­an­fech­tungs­ver­fah­ren aus­geht.“

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