10. August 2018

Die Lösung

Das Dienst­ver­hält­nis des Kochs Adam Hitz­flucht dau­er­te ledig­lich 121 Tage und ende­te durch Dienst­ge­ber-Kün­di­gung. Wäh­rend der Kün­di­gungs­pha­se fehl­te der Dienst­neh­mer 8 Tage unent­schul­digt.

Der Dienst­neh­mer ver­brauch­te wäh­rend sei­nes kur­zen Dienst­ver­hält­nis­ses kei­nen Urlaub.

Auf­grund der 8 unent­schul­dig­ten Tage kürz­te der Dienst­ge­ber ent­spre­chend antei­lig die Urlaubs­er­satz­leis­tung.

Adam Hitz­flucht hat einen Freund, Kurt Rad­gä­ber. Der Freund fin­det die Vor­ge­hens­wei­se des Dienst­ge­bers sei­nes Freun­des recht­lich unzu­läs­sig und mailt Adam Hitz­flucht den 3. Satz des § 2 Abs 2 des Urlaubs­ge­set­zes, der lau­tet:

Der Urlaubs­an­spruch wird durch Zei­ten, in denen kein Anspruch auf Ent­gelt besteht, nicht ver­kürzt, sofern gesetz­lich nicht aus­drück­lich ande­res bestimmt wird.“

Dar­auf­hin klagt Adam Hitz­flucht sei­nen Dienst­ge­ber, ihm die Urlaubs­er­satz­leis­tung unge­kürzt aus­zu­zah­len.

Der Fall lan­det auf Ihrem Schreib­tisch – Bit­te Ihre Ent­schei­dung

(ger­ne auch im Kom­men­tar­feld)

Lösung

Wir, Tina Dangl und Ernst Pat­ka sind über­rascht und erfreut, wie zahl­reich die Teil­nah­me beim ers­ten „Mitt­wochs-Fall“ war. Das spornt an, wei­te­re Mitt­wochs-Fäl­le zu gestal­ten.

Ein herz­li­ches Dan­ke an alle Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, die zur Lösungs­fin­dung einen Bei­trag leis­te­ten.

Übri­gens: Ähn­lich unter­halt­sam, nach­hal­tig und infor­ma­tiv ist unse­re Busi­ness­part­ner­schu­lung hin­sicht­lich Grund­la­gen des Arbeits­rechts, Schu­lun­gen nach unse­rer U.N.I.-Methode. Ähn­lich wie der Mitt­wochs-Fall arbei­ten wir in die­sen Schu­lun­gen mit Check­lis­ten und Fall­bei­spie­len.

Mail an office@patka-knowhow.at und wir bespre­chen, wie die Inhouse-Schu­lung kon­kret ablau­fen soll.

Sie wün­schen ‒ Wir spie­len ‒ die Teil­neh­mer jubi­lie­ren und bril­lie­ren (fach­lich)“

Eini­ge Vor­weg­an­mer­kun­gen zu den zahl­rei­chen BLOG-Bei­trä­gen

  • 1
    Unbe­strit­ten ist, dass der Dienst­ge­ber wäh­rend der unent­schul­dig­ten Fehl­zeit
  • check-square-o
    kein lau­fen­des Ent­gelt und
  • check-square-o
    – so der Kol­lek­tiv­ver­trag nicht aus­drück­lich Gegen­tei­li­ges regelt – auch kei­ne antei­li­gen Son­der­zah­lun­gen

bezah­len muss

  • 2
    Rich­tig ist die SV-Abmel­dung „Ende Ent­gelt“ auf­grund der unent­schul­dig­ten Abwe­sen­heit.
  • 3
    Wäh­rend der Kün­di­gungs­frist einen vor­zei­ti­gen Aus­tritt zu unter­stel­len, wo die Recht­spre­chung ver­langt, dass nicht der gerings­te Zwei­fel besteht, dass der Dienst­neh­mer sein bereits gekün­dig­tes Dienst­ver­hält­nis vor­zei­tig auf­lö­sen möch­te, ist unse­rer Ansicht nach SEHR ris­kant – wür­den wir nicht emp­feh­len.
  • 4
    List Selbst­ver­ständ­lich hät­te man – aller­dings nur ein­ver­nehm­lich ‒ die unent­schul­dig­ten Fehl­ta­ge in Urlaubs­ta­ge umwan­deln kön­nen, doch der Dienst­neh­mer war hier­zu nicht gesprächsbereit.Element
  • 5
    Die­ser Mitt­wochs­fall betraf aus­schließ­lich die Fra­ge, ob die Urlaubs­er­satz­leis­tung gekürzt aus­be­zahlt wer­den kann oder nicht.

Was die Urlaubs­er­satz­leis­tung betrifft, darf nicht über­se­hen wer­den, dass der Geld­an­spruch nicht mit den „Ver­brauchs­re­geln des Urlau­bes“ (ein­ver­nehm­lich; kein ein­sei­ti­ges Anord­nen des Dienst­ge­bers wäh­rend der Kün­di­gungs­frist etc) ver­wech­selt wer­den darf.

Auf­grund des Wort­lau­tes des 3. Sat­zes des § 2 Abs 2 des Urlaubs­ge­set­zes könn­te man ver­mu­tenAdam Hitz­flucht bekommt Recht und der Dienst­ge­ber müss­te die Urlaubs­er­satz­leis­tung unge­kürzt aus­zah­len.

Aber: Es gibt Zei­ten, in denen der Dienst­neh­mer kein Ent­gelt bezieht und der Dienst­ge­ber kann ‒ gesetz­lich erlaub­ter­wei­se ‒ den Urlaub ali­quo­tie­ren ⇒ den­ken Sie bspw an Karenz­ur­laub, Prä­senz- oder Zivil­dienst, Bil­dungs­ka­renz.

Der 3. Satz des § 2 Abs 2 des Urlaubs­ge­set­zes bezieht sich nur auf ent­gelt­freie Zei­ten auf­grund von Dienst­ver­hin­de­run­gen (zB Krank­heit).

Auf ande­re ent­gelt­freie Zei­ten, wie bspw unbe­zahl­ter Urlaub (Der Jah­res­ur­laubs­an­spruch wird durch einen unbe­zahl­ten Urlaub dann gekürzt, wenn die Ver­ein­ba­rung des unbe­zahl­ten Urlaubs im Inter­es­se des Dienst­neh­mes liegt; vgl OGH 29. 6. 2005, 9 ObA 67/05a) oder eben auch bei unent­schul­dig­tem Fern­blei­ben vom Arbeits­platz.

Das Urteil lau­tet: Der Dienst­ge­ber hat zu Recht kei­ne Urlaubs­er­satz­leis­tung für die 8 unent­schul­dig­ten Abwe­sen­heits­ta­ge bezahlt (OLG Inns­bruck 26. 1. 2018, 13 Ra 41/17b).

Dar­aus kön­nen die fol­gen­den Grund­re­geln für die Pra­xis abge­lei­tet wer­den:

Erhält der Dienst­neh­mer auf­grund einer Arbeits­ver­hin­de­rung (zB Krank­heit) kein Ent­gelt ⇒ Urlaub und die Urlaubs­er­satz­leis­tung dür­fen nicht gekürztwer­den (3. Satz des § 2 Abs 2 Urlaubs­ge­setz).

Der Urlaub und die Urlaubs­er­satz­leis­tung kön­nen bei ent­gelt­frei­en Zei­ten dann gekürzt wer­den, wenn

  • check-square-o
    son­der­ge­setz­li­che Rege­lun­gen dies erlau­ben (zB betref­fend Karenz­ur­laub, Prä­senz- oder Zivil­dienst, Bil­dungs­ka­renz) oder
  • check-square-o
    der Grund dafür, dass der Dienst­ge­ber dem Dienst­neh­mer kein Ent­geltbezah­len muss, nicht eine Dienst­ver­hin­de­rung ist, son­dern bspw unbe­zahl­ter Urlaub (ins­be­son­de­re im Inter­es­se des Dienst­neh­mers) oder eine unent­schul­dig­te Abwe­sen­heit vom Arbeits­platz ist.

Ken­nen Sie PVP — die Zeit­schrift für den Prak­ti­ker?

Wenn Sie eine Fach­zeit­schrift suchen, die Pra­xis­fäl­le prag­ma­tisch und ohne end­lo­ses Juris­ten­ge­schwa­fel löst, dann sind Sie hier genau rich­tig!

Kommentar hinzufügen

Kommentar verfassen: